Uniformierte Helmpropagandisten

Ich gebe es auf. Anlässlich mehrerer jüngerer Pressemitteilungen der PD Landau, in deren Bereich vor allem die PI Edenkoben der Verhöhnung von Opfern rücksichtslosen Fehlverhaltens von Autofahrern in der Weise frönt, permanent fehlende „Helme“ zu bemängeln, hatte ich dann doch noch einmal versucht, mit dem zuständigen Leiter der PI, als auch der Presseabteilung des Polizeipräsidiums Rheinpfalz sachlich und konstruktiv zu kommunizieren. Wie nicht anders zu erwarten war, war dieser Versuch vollkommen sinnbefreit. Man hält dort unbeeindruckt von Studien und allgemein verfügbaren Fakten weiter an der vorgegebenen Marschrichtung fest, den Radfahrern bei jeder sich auch nur halbwegs bietenden Gelegenheit den heiligen St. Yropor aufzuschwatzen, um somit früher oder später eine indirekte „Helmpflicht“ zu bewirken.

Ich wollte erst in diesem Beitrag Auszüge aus den e-mails des Präsidiums und meine Antworten darauf zitieren – aber auch das wäre vollkommen sinnlos. Denn man braucht nur den Newsfeed dieser Polizeidirektion zu abonnieren – und bekommt weiterhin tagtäglich penetrante Helmpropaganda serviert. Auch in einer aktuellen Meldung vom 3. Juni macht man sich – nicht nur in der sich reimenden Überschrift – wieder mal über eine Radfahrerin lustig, die von einem rücksichtslos anfahrenden Autofahrer leicht verletzt wurde.

POL-PDLD: Ohne Helm und ohne Licht fährt des Nachts man besser nicht

Landau (ots) (Landau) – Am Mittwoch, 21:40h kam es in der Königstraße in Landau zu einem Verkehrsunfall zwischen einer 39-jährigen Radfahrerin und einem 33-jährigen Autofahrer. Der Mann fuhr mit seinem Audi vom Fahrbahnrand an und übersah hierbei die von hinten nahende Radfahrerin, welche kein Licht an ihrem Zweirad hatte. Die Frau zog sich glücklicherweise keine schweren Verletzungen zu. Vermutlich aufgrund dessen, dass sie keinen Helm trug, hatte sie auch im Gesicht eine leichte Schürfwunde und die Brille ging zu Bruch.

Um 21:40 Uhr ist es um diese Jahreszeit in der Pfalz übrigens auch noch keine stockfinsterste Nacht. Verursacher des Unfalls war (trotz der fehlenden Funzel) der klar gegen § 10 StVO verstoßende Autofahrer – dessen Fehlverhalten jedoch in keinster Weise kritisiert wird. Stattdessen zieht man wieder mal den sich besonderer Beliebtheit erfreuenden „Übersah“-Joker, anstatt diesen Sehbehinderten zum Augenarzt zu schicken.

Die Polizei arbeitet sich lieber überwiegend an der verletzten Radfahrerin ab. Tenor der tendenziösen Meldung: „Selber Schuld!“ Inwiefern ein weit über die Stirn reichender Plastikhut Gesichtsverletzungen oder den Bruch einer (meist zu Boden fallenden) Brille verhindert, frage ich diese tendenziösen Vertreter der deutschen Autopolizei nicht mehr. Auch nicht, warum eine zur strengen Objektivität verpflichtete Polizeibehörde in einer Pressemeldung einerseits das vermeintliche „Übersehen“ als Tatsache darstellt (eventuell wurde ganz einfach der Schulterblick unterlassen), aber in Richtung der (fahrlässig geschädigten) Radfahrerin ohne Skrupel das Wort „Vermutlich“ verwendet? Um damit wieder einmal unwirksame Plastikhüte zu promoten?

Im Zuständigkeitsgebiet des PP Rheinpfalz wird man sich das allseits beliebte Victim-Blaming auf jeden Fall nicht von der Kritik einzelner querulatorischer Radfahrer vermiesen lassen. Und obwohl dort mehr Leute mit dem Rad unterwegs sind als hier in der Südwestpfalz, gibt es dort auch keine Radfahrervertretung, die diesen Namen verdienen würde. Das beste Beispiel für das Versagen des ADFC war die absurde Geschichte mit der Horstbrücke in Landau; die von diesen Touristik-Radlern einfach so hingenommen wurde.

4 Gedanken zu „Uniformierte Helmpropagandisten“

  1. Lieber Dennis, am letzten Donnerstag sind vier Freunde meines Enkels mit ihm gemeinsam in Richtung Mangfall geradelt und als sie bergab immer mehr Fahrt aufgenommen hatten, gerät einer der vier Freunde zu weit auf die Gegenfahrbahn und kollidiert frontal mit einem entgegenkommenden Auto, einer Fahrschule mit einem Fahrschüler. Der (Schul)-Freund fliegt nicht nur in die Windschutzscheibe, die zu Bruch geht, sondern darüber hinaus und landet auf der Strasse, wo er erstmal liegenbleibt. Den 4 Freunden schlackern vor Schreck alle Glieder, sie zittern wie Espenlaub, denn dass der Freund nie mehr aufstehen wird, erscheint ihnen sicher. Es kommt Polizei, Krankenwagen, Blaulicht: Nur Prellungen, der Schutzengel war sprichwörtlich noch am Unfallort anwesend, alle haben ihn gespürt, vor allem auch der arme, arme Fahrschüler.

    Als die Jungens da so stehen, marschieren die Polizeibeamten auf sie zu und der erste Satz, den sie zu den Jugendlichen sagen ist: „Ihr wisst scho, dass ihr jetzat a Anzeige kriagst wegen Verstosses gegen das Infektionsschutzgesetz, weil ihr nur viere sein dearft und net fünfe!“. Hatte keiner einen Helm auf. Sollten wohl besser vor dem Bldschirm sitzen anstatt eine Radtour zu machen. Josi

    1. Die Robocops hätten evtl. ja auch noch fehlende Reflektoren oder Klingeln bemängeln können? In diesem Job arbeiten wohl generell nur noch Psychopathen.

      Schön, dass der Kleine ansonsten Glück hatte. Und dass sie rausgehen, auf die Schnauze fallen – und wieder aufstehen.

      1. Lieber Dennis, meine Tochter erwägt jetzt doch auch selbst einen Helm anzuschaffen (sie fährt den ganzen Tag Elektro-Rad im Einsatz als Hebamme, weil sie nicht in den Öffentlichen mit Maske fahren will, also auch weite Strecken bis in Vororte von München): Was genau spricht denn gegen Helme und sie hatte auch von einem Airbag gehört, den ihr jemand empfohlen hat, der den Kopf ganz schützt, wenn es knallt? Ich konnte es ihr nicht erklären. LG Josi

        1. Ist doch relativ simpel; derzeit kann man eine 1:1-Maulkorb-Analogie herstellen: Warum hat sie ihr ganzes Leben keinen solchen Hut gebraucht – und warum glaubt sie jetzt, einen haben zu müssen? Wie viele an ihren Schädelfrakturen verstorbene Radfahrer – und Fußgänger – kennt sie persönlich? Und wie viele tödlich verunglückte Autofahrer? Für wie groß hält sie überhaupt das statistische Risiko, so zu stürzen, um sich den Schädel zu spalten? Kennt sie Michael Schumacher? Weiß sie, wie viele schwere Schädel-Hirn-Verletzungen jedes Jahr Autofahrer erleiden? Will sie, dass die Scheißdinger früher oder später auf die ein oder andere Weise Pflicht werden? Es gibt mehr als genügend informative Seiten, die das Thema behandeln. Am Ende wird es – vermute ich – wie bei Vielen an der Faulheit scheitern, sich selbständig zu informieren. Ich bin jetzt inzw. in meinem Leben mehr als 350.000 km gefahren. Da, wo viele niemals radeln würden. Und? Ich lebe noch. Ich will auch keine 100 % „Sicherheit“. Die 99,999 % reichen mir dicke!

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