Coronoia: Raaaaadwäääääg!

Neulich schrieb mich ein freier Mitarbeiter der Rheinpfalz per e-mail an. Einer, dem ich schon vor über vier Jahren das Thema B 10 anvertraute – und der mich dann ziemlich übel auflaufen ließ. Es habe bei der Zeitung jemand nachgefragt, warum vor allem im Landkreis so viele blaue Radwegschilder verschwunden seien und ob ich etwas damit zu tun hätte. Es war ja auch dank meiner „Mängelliste Blau“ nicht sonderlich schwer zu recherchieren. Jedenfalls ergab sich daraus eine kleine e-mail-Konversation, in welcher ich noch einmal grob erläuterte, warum mich (vor allem straßenbegleitende) „Radwege“ so ankotzen. Ich kann eben vor allem auch das diskriminierende Konzept der Verkehrsmittel-Apartheid nicht akzeptieren, welches man mittels der Ausgrenzung von „Ungeimpften“ oder auch den Gesslerlappen-Verweigerern gerade auf die gesamte „Gesellschaft“ überträgt.

Meine Coronoia-Stammleser werden sich gelegentlich fragen, warum ich in den Empfehlungen immer wieder mal irgendwelche regionalen Presseberichte zu Radfahrerunfällen verlinke? Unter anderem deshalb. Als einer Minderheit Angehörender (ein Ganzjahres-Radfahrer auf dem autoverrückten Land mit einer Kfz-Besitzquote von gefühlt 120 %) erlebe ich seit ich radfahre (also seit rund 25 Jahren), mit was für einer Selbstverständlichkeit an allen Ecken und Enden mit zweierlei Maß gemessen und wie subjektiv aus der Windschutzscheibenperspektive (gerade auch aus Streifenwagen) heraus „berichtet“ wird, wenn mal wieder ein Autofahrer einem Radfahrer einen Krankenhausaufenthalt beschert hat.

Ich darf ja nun schon seit fast zwei Monaten wieder frische Lebensmittel erwerben. Und bin mir sicher, dass, wenn ich im kommenden Herbst / Winter die Wiederkehr des Gesslerlappens ignorieren werde, ich permanent an irgendwelche selbsternannten Gesetzeshüter geraten werde, die wirklich meinen, dass so etwas wie Amtsanmaßung in diesem Land kein objektiver Straftatbestand mehr sei. Umgekehrt habe ich es mir bislang verkniffen, die immer noch befiltertüteten Mittzwanziger im Kaufland zu fragen, warum sie meinen, sich auch weiterhin dermaßen zum Vollhorst machen zu müssen?

Jedenfalls ist man dieses exkludierende Prinzip als Radfahrer auch „intern“ nicht anders gewöhnt. Man wird sogar aus der eigenen Gruppe teils massiv ausgegrenzt, wenn man sich keinen sinnlosen Plastikhut auf die Rübe setzen will. Auch hier war die Propaganda über Jahre unfassbar erfolgreich; wie auch ein aktueller Tweet von Dr. Pürner wieder einmal zeigt (Siehe die Auflistung unten). „Maskenverweigerern“ erging es in den letzten Monaten allerdings ja ähnlich; als gar die Mitdemonstranten Druck auf Einzelne ausübten, sie mögen sich doch den Enwürdigungslappen überstreifen, „damit die Polizei nicht auflöst“. Autoritäre Charaktere an allen Ecken und Enden.

Selbstjustiz als Bürgerpflicht

Mit ein wesentlicher Grund dafür, warum ich mich über 5 Jahre lang mit unzähligen, teils von jeglicher Sachkenntnis ungetrübten und verkehrsideologisch noch in den 70er Jahren steckengebliebenen Verwaltungen abgemüht habe, mir und anderen die Nutzung der abenteuerlichsten, schikanösesten und gemeingefährlichsten „Radwege“ zu ersparen, war eben auch jene Selbstjustiz. Wenn also mal wieder irgendein in einer Dose sitzendes Arschloch meint, es habe das Recht, mich mit Scheibenwischwasser vollzuspritzen (versuchte Körperverletzung), zu nötigen, zu bedrohen oder zu beleidigen, weil ich (wie in 99 % der Fälle) den ach so supertollen „Raaaaadwäääääg“ nicht benutze.

So erging es nun auch wieder mal einem Rennradkollegen entlang eines meiner schon vor einigen Jahren im Kreis Südliche Weinstraße entbläuten Wegelchen. Vom aktuellen Zustand habe ich leider keine Bilder; im Jahr 2015 sah es dort noch so aus. Ein fahrbahnophober Radfahrer hat jedoch den Zustand im März 2020 bei mapillary dokumentiert.

Die PD Landau berichtet:

Völkersweiler L494 Auf Radtour ausgebremst und beleidigt

Am 26.05.2022, gegen 13:30 Uhr, befuhr ein 42-jähriger Mann aus der Vorderpfalz mit seinem Rennrad die Landstraße von Völkersweiler nach Gossersweiler-Stein. Ein in gleicher Richtung fahrender Pkw-Fahrer überholte den Radfahrer und schrie ihn an, weil er nicht den Radweg benutzte. Im weiteren Verlauf wurde der Radfahrer an einer Tankstelle bereits erwartet und beleidigt. Dem 20-jährigen Pkw-Fahrer schien dies noch nicht genug, sodass er den Radfahrer bei der Weiterfahrt noch mehrfach ausbremste und vom Fahrrad schubsen wollte. Gegen den Pkw-Fahrer wurde ein Strafverfahren wegen Nötigung und Beleidigung eingeleitet.

Nun kann man (und ich habe das auch getan) der PD Landau durchaus vorwerfen, dass sie die Tatsache verschweigt, dass eben jener „Radweg“ nicht benutzungspflichtig ist; das asoziale und gemeingefährliche (eine Überprüfung seiner charakterlichen Eignung, überhaupt Kraftfahrzeuge führen zu dürfen begründende, weil Selbstjustiz ausübende) Verhalten des jungen Autofahrers daher noch verachtenswerter zu bewerten ist, als eh schon.

Die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße war bislang eine der wenigen Behörden, mit denen ich objektiv und sachlich zusammenarbeiten konnte. Und die auch verantwortlich dafür ist, dass man die B 10 wenigstens noch auf dem Abschnitt Rinnthal – Wilgartswiesen mit Fahrrädern befahren darf. Mit der dort gefundenen „Lösung“ (alleinstehende Radverkehr frei in beiden Richtungen, statt Piktogrammen) war und bin ich allerdings auch nicht wirklich glücklich, aber das ist im Endeffekt auch nicht mein Bier; ich habe ja mehr als alles versucht.

Ich habe somit durch mein Engagement, rechtswidrige blaue Schilder entfernen zu lassen, in diesem konkreten Fall dem Rennradkollegen „moralische“ und rechtliche Vorwürfe erspart. Er hat absolut nichts falsch gemacht; er durfte die Fahrbahn benutzen – und wurde dabei halt von einem widerwärtigen Menschen genötigt, bedroht und beleidigt. Leider wird die deutsche Autojustiz gegen diesen unreifen Aggressivling garantiert absolut nichts unternehmen; von einem Führerscheinentzug ganz zu schweigen.

Im Endeffekt spiegelt dieser kleine Zwischenfall aber eben exakt das wider, was mich in Sachen Corona in einem erheblich größeren Ausmaß in den letzten rund 27 Monaten so unfassbar anwidert: Menschen, die meinen, sie seien etwas Besseres. Sie hätten irgendwelche Privilegien, weil sie der (autofahrenden oder „geimpften“) Mehrheit angehören; und das Geschmeiß sich gefälligst aus ihrem Weg zu begeben hätte. Und sie (ohne den Hauch einer Ahnung von der Rechtslage oder auch den Grundrechten zu haben) das Recht hätten, andere zu belehren oder zur Not auch selbst zu bestrafen.

Ich hab das vor einiger Zeit schon einmal geschrieben: Auch wenn mich noch hundert weitere Male irgendwelche Idioten mit „Raaaaadwäääääg“ anschreien werden: Ich werde die Stellung halten. Will euch das Überholen nicht gelingen, so denkt an Götz von Berlichingen.


Siehe auch

Viren, Radwege, Angst und Unfreiheit

Coronoia: Die Religion der Angst


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3 Gedanken zu „Coronoia: Raaaaadwäääääg!“

  1. „Ich hab das vor einiger Zeit schon einmal geschrieben: Auch wenn mich noch hundert weitere Male irgendwelche Idioten mit „Raaaaadwäääääg“ anschreien werden: Ich werde die Stellung halten. Will euch das Überholen nicht gelingen, so denkt an Götz von Berlichingen.“

    Ich sage dazu nur kurz: Dito

  2. Nun kann man […] der PD Landau durchaus vorwerfen, dass sie die Tatsache verschweigt, dass eben jener „Radweg“ nicht benutzungspflichtig ist

    Kann man nicht nur, sondern sollte man auch. Es ergibt sich so schließlich ein zwar nicht komplett anderes, aber doch durchaus differenziertes Bild der ganzen Geschichte.

    Medienberichte waren tatsächlich schon immer etwas, das sich durch Auslassen ganz wunderbar von der Wahrheit entfernen kann, aber nie war das besser zu beobachten als in den letzten beiden Jahren…

    1. Die sehen ja sowieso ständig irgendwelche „Radwege“, wo gar keine sind. Und ja, gerade bei Meldungen im Zusammenhang mit Radfahrern ist man meistens sehr kreativ darin, Informationen wegzulassen, obwohl sie offenkundig sind und das Vergehen der Kfz-Nutzer meist auch unfallursächlich ist. Ich erinnere mich da gut an eine Meldung im letzten August. Da überholte ein Autofahrer einen Radfahrer auf einer sehr schmalen Straße und verletzte ihn dabei schwer. Mit keiner Silbe wird erwähnt, dass bei einer nur rund 4 Meter breiten Fahrbahn aufgrund des vorgeschriebenen Mindestabstands nach § 5 (4) S. 3 StVO von zwei Metern de facto ein Überholverbot für Pkw besteht.

      Umgekehrt werfen sie den radfahrenden Opfern dann aber bei jeder sich auch nur halbwegs bietenden Gelegenheit vor, sie hätten keinen „Helm“ getragen. Obwohl die Scheißdinger nicht einmal vorgeschrieben sind.

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