Coronoia: Furchtbare Juristen

Eine meiner See-Lektüren in diesem Sommer ist das Buch „Furchtbare Juristen“ von Ingo Müller, welches mir eines meiner Leser dankenswerter Weise vor einiger Zeit gespendet hat und welches Gunnar Kaisers „Der Kult“ folgt. Ich habe zum gegenwärtigen Zeitpunkt rund 1/5 des Buches gelesen – und empfinde die Parallelen zu dem, was wir seit über zwei Jahren von der hiesigen „Justiz“ erleben müssen, einmal mehr grauenerregend. „Corona“ hat mit dazu geführt, dass erneut eine von ihrer Grundhaltung her durchweg konservative, regierungstreue, autoritäre und freiheitsfeindliche Gruppierung unter Missachtung des Grundgesetzes an der Etablierung eines faschistischen Systems aktiv mitwirkt.

Der Autor weist in seinen ersten Kapiteln über die äußerst republikfeindliche und kaisertreue Richterschaft zum Ende des Kaiserreichs und dem Übergang zur Weimarer Republik auch darauf hin, dass jener Richterstand (nicht nur durch die strukturellen „Filter“ in Form finanzieller, soziologischer und ideologischer Hürden bei der Ausbildung) niemals wirklich auch nur annähernd das verkörperte, was man sich unter den Begriffen „freiheitlich“ oder „demokratisch“ so vorstellt. Der überwiegende Teil der stockkonservativen Richterschaft verstand sich schon immer als stabilisierendes Element der etablierten Machthaber; ob nun einem Kaiser oder (später) dem Führer bzw. einer vom WEF unterwanderten Bundesregierung.

Auf den Seiten 62 und 63 beschreibt Müller einen Teil der gewaltigen Auswirkungen der von den Nazis erlassenen Reichstagsbrandverordnung; er weist darauf hin, wie damals innerhalb der Gesellschaft bestimmte Gruppierungen zur ultimativen Bedrohung aufgeblasen wurden, die man in einer totalitären Weise verfolgen durfte, weil jene ja sowieso „Hochverrat“ begingen oder begehen wollten.

Nach der Machtübernahme der Nazis und dem Reichstagsbrand mussten die „Kommunisten“ bekanntlich als allererstes dran glauben. Ein projiziertes Feindbild in Form eines an die Wand gemalten „kommunistischen Umsturzes“ ermöglichte es im Rahmen des verhängten Ausnahmezustands, quasi einen grenzenlosen, totalitären (terroristisch agierenden, also Angst und Schrecken verbreitenden) Polizeistaat aufzubauen. Schließlich war ja sowieso alles, was gegen die Nazis ging, „kommunistisch“ und folglich kriminell:

Und das Landgericht Berlin entwickelte – bereits 1933 – die griffige Formel, dass »alle gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung gerichteten Angriffe als kommunistisch im weitesten Sinne aufzufassen« seien.

Heute wäre es eher „querdenkerisch“. So schwadroniert der Verfaschungsschutz bekanntlich seit einiger Zeit von einer angeblichen Bedrohung des Landes aufgrund einer „Delegitimierung des Staates“ durch „Querdenker“. Das reicht aus, um unbescholtene Bürger zu beobachten und zu verfolgen. Sind ja sowieso alles Schwurbler, Nazis und Corona-Leugner. Oder gar „Impfgegner“! Müller schreibt einige Zeilen weiter:

Mit dieser Konstruktion der mittelbaren kommunistischen Gefahr deckte die Justiz das Vorgehen der Behörden unter anderem gegen die Bekennende Kirche (…), gegen Impfgegner (…) die Innere Mission (…) und gegen protestantische Krankenpflegevereine (…).

Tja, diese bösen („kommunistischen“) „Impfgegner“; wurden schon damals von den Nazirichtern politisch verfolgt. Heute wirft man ihnen vor, sie seien selber alle Nazis. Ironie der Geschichte.

Einstmals reichte ebenfalls eine mittelbare(!) Annahme einer „Gefährdung“ der Gesellschaft, um Menschen ihr Grundrecht auf Versammlungs- oder Berufsfreiheit; gar der körperlichen Unversehrtheit zu nehmen. Sie zu Objekten, zu Gefährdern zu entmenschlichen, über die eine übergriffige Regierung, unterstützt durch eine willfährige Justiz, völlig frei verfügen darf.

Der Gesundheit des bedrohten Volkskörpers (möglicherweise!) schädliche Elemente dürfen aus der Gesellschaft vollkommen ausgegrenzt und auch (durch brutale, strafrechtlich nicht verfolgt werdende Büttel, die einen an die SA oder SS erinnern) auch physisch bekämpft werden; wie nicht nur Nils Melzer, ehemaliger Folterbeauftragter der UN, mehrfach feststellen musste.

In den folgenden Kapiteln geht es unter anderem um die nicht erfolgte Aufarbeitung jener von den Juristen des Dritten Reichs begangenen Verbrechen. Und auch dieses Mal wird nichts passieren. Die gänzlich ungeeigneten Verfassungsverräter, wie auch die Mediziner, werden nicht nur erneut völlig ungeschoren, sondern gar noch belobigt davonkommen.


Siehe auch

Coronoia: Politische Justiz

Coronoia: Kadavergehorsamspflicht

Coronoia: Autobahn

Coronoia: Juristische Aufarbeitung?


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Ein Gedanke zu „Coronoia: Furchtbare Juristen“

  1. Danke für Deine unentwegte Mühe aufzuklären. Dein Artikel heute geht für mich weit mit dem von Dir verlinkten Rüdiger Lenz‘, „Nutzlose Menschen“ bei apolut zusammen.
    (Ich teile hier den Link nochmals mit, weil ich den Artikel wichtig finde und also seine Suche erleichtern möchte.)
    https://apolut.net/nutzlose-menschen-von-ruediger-lenz/
    Ich lese, so oft ich nach Nachrichten schaue, auch immer bei Dir. Oft hebe ich es mir für den „Schluss“ auf, so wie bei mir beim Essen auch das Beste zum Schluss kommt. DS – Dessert-Schluss!

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