Coronoia: No risk, no fun

Am Freitag hat es mich nach längerer Zeit mal wieder ordentlich zerlegt. Auf einer MTB-Tour fuhr ich einen abschüssigen, geschotterten Waldweg hinab. Ehe es mich aufgrund eines weitestgehend blockierenden und ausbrechenden Vorderrads mit dem Oberkörper auf den Lenker und dann samt Rad auf den Boden hämmerte. Resultat: Eine 1 x 2 cm große Wunde am linken Handballen, eine kleinere am Daumen, mehrere Schürfwunden an beiden Knien, dem rechten Arm und der Schulter. Und eine ordentliche Prellung der rechten Schulter und Rippen. Übertragen auf den Corona-Wahn müsste ich also zukünftig das Radfahren vor allem im Wald komplett einstellen, weil „zu gefährlich“? Oder mich zumindest entsprechend „schützen“?

Der Sturz kam wirklich völlig unvermittelt; ich fühlte mich auf diesem unspektakulären Routine-Forstweg völlig sicher – und war daher (bspw. im Gegensatz zum Befahren einer wurzeligen oder felsigen Passage) völlig unvorbereitet. Es fühlte sich an, als hätte mir irgendwer eine Stange in die Speichen gerammt oder jemand ein Seil gespannt; die spontane Unfallanalyse ergab jedoch weder einen größeren Ast, noch einen Felsbrocken in der Nähe des Abflugortes, welche diese unschöne Bruchlandung evtl. noch ausgelöst haben könnten.

Eine Landung auf dem Kopf habe ich natürlich auch wieder nicht hinbekommen. Hätte ich Polizei und Notarzt gerufen, hätten die tendenziös framenden Polizei-Tintenknechte sicherlich wieder geschrieben, dass ich „keinen Helm“ getragen hätte. Wobei mir hier ein paar Handschuhe und ein Oberkörperprotektor samt Knie- und Ellenbogenschonern wesentlich mehr gebracht hätten. Nur: Warum sollte ich mich derart rüsten und panzern, wenn ich auf vernünftige und alltägliche Weise mit dem MTB durch den Wald fahre?

Es gibt unter den Mountainbikern eine Fraktion, die genau das macht; sie panzert sich bis zum Exzess und fährt dann auch in einer nur noch als suizidal zu beschreibenden Weise die aberwitzigsten Pfade und Wege runter; in einem halsbrecherischen Tempo. Die Downhiller sind meistens auch noch zu faul, um aus eigener Kraft den Berg hochzufahren, weshalb sie auch gerne in speziellen Parks unterwegs sind und sich dort vom Lift hochziehen lassen.

Der Unterschied zu mir: Sie kalkulieren diese (schweren) Stürze (also vollkommen irrationales Verhalten) schon von Vornherein mit ein. Ich hingegen fahre so, dass mir eben im Normalfall nichts passiert. Und so, dass ich beim Befahren anspruchsvollerer Passagen auch beim Stürzen (weitestgehend) die Kontrolle behalte. Würde in mir das Verlangen nach „Schutzausrüstung“ aufkeimen, würde ich mich selbstkritisch fragen, ob evtl. mit meinem Fahrstil etwas nicht stimmt? Ob ich Risiken eingehe, die außer Verhältnis zu jedem Nutzen stehen? Blenden wir die enorme risikokompensatorische Komponente aus, bleiben also nur noch die völlig unerklärlichen Stürze (wie mein aktueller), jene durch Fremdeinwirkung und die Abgänge, die bspw. durch Materialbruch (der sich allerdings meistens auch ankündigt) verursacht werden können.

Ich könnte mich also für diesen noch so unwahrscheinlichen (oder von mir nicht beeinflussbaren) Fall „schützen“, indem ich bspw. einfach gar nicht mehr Rad fahre. Oder halt permanent (teure) Protektoren tragen, bei denen allerdings auch fraglich ist, ob sie im Falle der Fälle wirklich was nützen; die stolz präsentierten Röntgenbilder der Bruchpiloten in jenem MTB-Forum, in welchem ich übrigens immer noch ohne Angabe von Gründen (wohl wegen zarter Corona-Ketzereien) für schlappe 9 Jahre gesperrt bin, deuten zumindest darauf hin, dass man damit doch nicht unverwundbar wird. Ich müsste das Zeug also auf mehreren Tausend Ausfahrten (bei Hitze und Kälte) an meinem Körper mit mir rumschleifen, weil es mir evtl. ein einziges Mal was nützen könnte?

Genau in diesem Punkt bin ich halt komplett anders als die große, nach 100 % „Sicherheit“ strebende Masse. Ich schwitze lieber nicht an 3000 Tagen in die vollgesifften kurzen Radhandschuhe, als mir alle 5 oder 10 Jahre mal Teile der Hand aufzuschürfen. Ich kuriere lieber mal drei oder vier Wochen eine schmerzhafte Rippenprellung aus, als 5 Jahre lang vollkommen „overdressed“ mit (nervigem) Oberkörperpanzer durch die Lande zu streifen. Dieses „Risiko“ gehe ich ein. Und ich brauche auch sonst keinen Bürokraten, der mich bevormundet, indem er mir bspw. die Nutzung von wichtigen Bundesstraßen auf skandalöse Weise verbietet.

Und genauso wenig lasse ich mich gegen einen Schnupfen „impfen“. Wenn ich dann doch mal eine Schniefnase habe – dann habe ich halt eine. Der Irrwitz unserer Zeit liegt übrigens darin, dass gerade ich mir immer wieder anhören muss, ich würde zu negativ denken. Das kommt dann ausgerechnet von Leuten, die sich stets die übelsten Horrorszenarien ausmalen, was ihnen denn ohne ihrem „Helm“ (oder ihre „Maske“ oder „Impfung“) passiert wäre. Oder was mir garantiert noch passieren wird (manch einer wünscht es einem regelrecht); zumal ich ja – welch Horror! – auch noch ohne Handy nicht einmal einen Notruf absetzen könnte!

Meine individuelle, auf jahrelanger Erfahrung basierende Risikobewertung besagt eben, dass ich keinen Fun mehr hätte, wenn ich mich nur noch mit lästiger „Schutzbekleidung“ (und einindoktriniertem schlechten Gewissen) aufs Rad schwingen würde. So falle ich halt hin und wieder auf die Schnauze, lecke meine Wunden – und fahre weiter. Das ist allemal besser, als sein „Leben“ mit permanenter Angst vor dem Ungewissen zu vergeuden.

Gestern und heute saß ich bereits wieder auf dem Sattel. Und wenn mich irgendwann mal auf der Landstraße ein doppelt Geboosteter von der Straße räumt, welcher gerade seine Hirnvenenthrombose oder einen finalen Herzkasper hat – dann ist das halt so.

Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.

Benjamin Franklin.


Siehe auch

Coronoia: Die Religion der Angst


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8 Gedanken zu „Coronoia: No risk, no fun“

  1. Ich schwitze lieber nicht an 3000 Tagen in die vollgesifften kurzen Radhandschuhe, als mir alle 5 oder 10 Jahre mal Teile der Hand aufzuschürfen.

    Zwar trage ich auch immer und seit Jahrzehnten schon Radhandschuhe, aber nicht aus Angst vor Verletzungen, sondern weil sie wunderbar den Handballen entlasten. Außerdem kann man die Teile super bei 40°C in die Maschine schmeißen. Zusiffen muß da gar nix.
    Und damit bin ich jetzt weder besser noch schlechter als Du, sondern habe lediglich eine andere Meinung. Man muß nicht aus allem eine Religion machen. Just enjoy the summer and your bike.

    1. Jesses, Maria unn Joseff!

      Nimmt es bei dir nicht so langsam auch schon zwanghafte Züge an, mir bei egal was auch immer grundsätzlich zu widersprechen? 😛 Wenn du jeden Tag in der Woche mehrere Stunden fährst und nicht gerade mind. 7 Paar Handschuhe hast (oder dein einziges Paar täglich wäschst), siffen die sehr wohl sehr schnell mit Schweiß und Dreck zu. Aber egal. Ich brauch keine, du schon. Schön.

      1. Nimmt es bei dir nicht so langsam auch schon zwanghafte Züge an, mir bei egal was auch immer grundsätzlich zu widersprechen?

        Zwar hatte ich schon länger das Gefühl, daß Du Kommentare unter Deinen Texten eigentlich nur dann gutheißt, wenn man Deiner Meinung ist. Aber schön, daß Du es auch noch mal selber ganz deutlich sagst. Ein Austausch ist so allerdings eher nicht möglich. Leider.

        1. Darum geht es nicht; du kannst gerne in vielen Dingen anderer Ansicht sein und auch konstruktive Kritik üben. Wobei es schon eine Rolle spielt, ob man in der Summe nur noch rummäkelt und ansonsten überhaupt nichts mehr einer positiven Rückmeldung wert findet.

          Es geht eher um das, was du seit einiger Zeit des öfteren zwischen deinen Zeilen mitschwingen lässt.

  2. Ihr tauscht doch aber schon die ganze Zeit:

    Ich trach keine Handschuhe nich, nee, mach ich nich.
    Ich aaaaber. Kann man doch Waschen.

    Wenn das kein Austausch ist, was dann?
    Jetzt ich: manchmal trag ich Handschuhe, manchmal nicht.
    Jetzt ihr!

  3. Hätte ich nie gedacht, dass ich mal genau das formuliert finde, was ich mein Leben lang gedacht, und sofern möglich*, praktiziert habe. Fahrradhelm, vor vielen Jahren erworben und nach wenigen Ausfahrten in den Keller verbannt. Bei Radtour durch Italien vor 20 Jahren nur am ersten Reisetag auf dem Kopf, danach am Lenker, der dann gut geschützt war ;-)). Radhandschuhe eine kurze Zeit lang getragen, weil trendy. Weg damit! Lästig, ohne erkenntliche Vorteile.
    Und zum Gehen brauche ich keine Stöcke!
    Übrigens halte ich es in allen Lebensbereichen so. Habe viele Streitgespräche geführt, was sinnlos ist, denn kaum jemand kann mir darin folgen. Rezitiert werden nur Scheinargumente, wie sie halt aus den Propagandamedien erschallen.
    Übrigens, ich bin 73.
    Ich schau immer wieder gern hier herein, Dennis. Danke für die vielen Infos, und alles Gute!

    *Ich würde auch die Gurte im PKW nicht anlegen und habe dies lange praktiziert, bis ich eine empfindliche Ordnungsstrafe bezahlen musste (in Österreich). Das war mir zuwider.


    Anm. DS: Danke, freut mich. Dir auch! Und ja, mit den Gurten (und den Helmen bei den Mopedfahrern) wurde schon einmal eine Büchse der Pandora geöffnet.

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